Asunción P2: Frankreichs Lage auf der Premier-Padel-Tour
Das Premier-Padel-Turnier in Asunción hat aus französischer Sicht erneut ein widersprüchliches Bild hinterlassen. Im Mittelpunkt stand Alix Collombon, die als Nummer eins Frankreichs mit hohen Erwartungen in das P2-Event gestartet war. Statt eines stabilen Laufs bis in die zweite Turnierhälfte endete ihre Woche jedoch bereits in der Runde der letzten 32. Gegen das spanische Duo Marta Talaván und Sofía Saiz verlor Collombon in zwei Sätzen mit 4:6 und 1:6. Das Ergebnis war nicht nur sportlich schmerzhaft, sondern passt auch in einen Saisonverlauf, in dem die Konstanz auf höchstem Niveau bislang fehlt.
Die Niederlage wirkt umso schwerer, weil der französischen Szene auf dem Premier-Padel-Level aktuell nur wenige dauerhafte Ankerpunkte bleiben. Collombon ist weiterhin die sichtbarste Vertreterin bei den großen Draws, doch der Abstand zu den Top-16-Paarungen wird regelmäßig sichtbar. Das betrifft nicht allein Matchhärte und Rhythmus, sondern auch die Fähigkeit, in Schlüsselmomenten aggressiv genug zu bleiben und gleichzeitig fehlerarm zu spielen. Genau dort entscheiden sich Partien gegen etablierte Teams in dieser Tourphase.
Neues Projekt, alte Hürden
Seit der Trennung von Araceli Martinez musste Collombon sportlich neu planen. Mit Jana Montes setzt sie erneut auf eine Partnerin mit Entwicklungspotenzial. Die Idee hinter dieser Konstellation ist nachvollziehbar: Tempo, Perspektive und ein gemeinsamer Aufbau über mehrere Turnierblöcke. In der späten Phase der vergangenen Saison lieferte das Duo auch Signale, dass ein belastbares Fundament entsteht. Mehrere Achtelfinalteilnahmen und der Titel beim FIP Silver in Caen stärkten den Eindruck, dass der nächste Schritt nur eine Frage der Zeit sei.
Die laufende Premier-Padel-Saison zeigt bislang jedoch ein anderes Muster. In sechs Turnieren erreichten Collombon und Montes nur einmal das Achtelfinale, und zwar früh im Jahr in Gijón. Seither gab es zu viele kurze Wochen. Auffällig ist dabei, dass die Leistungen auf FIP-Ebene weiterhin solide erscheinen, während im Premier-Umfeld die Dichte stärker bestraft, sobald Phasen mit weniger Präzision auftreten. Das gilt besonders für Returnspiele und die Qualität des ersten Balles nach der Verteidigung.
Warum der Übergang so schwierig bleibt
Der Frauenbereich im Premier Padel ist in der Spitze deutlich enger geworden. Teams, die vor wenigen Monaten noch im erweiterten Mittelfeld lagen, bringen heute stabilere Side-out-Quoten, bessere Abstimmung in der Mitte und ein höheres Grundtempo in die langen Rallies. Für ein Duo wie Collombon/Montes bedeutet das, dass kleine taktische Schwächen nicht mehr nur einzelne Spiele kosten, sondern komplette Satzverläufe kippen können. In Asunción war genau dieses Muster zu erkennen, als nach einem umkämpften ersten Satz die Kontrolle rasch auf die Gegenseite wechselte.
Gleichzeitig bleibt der Kern des Projekts intakt. Collombon bringt Erfahrung, Präsenz und Übersicht, Montes liefert Athletik und Perspektive. Entscheidend wird sein, beide Profile in den kritischen Phasen sauber zu verzahnen: bessere Eröffnungspunkte über den Return, klarere Aufteilung bei mittleren Lobs und mutigere Entscheidungen beim Übergang ans Netz. Auf Premier-Niveau sind diese Details keine Nebensache, sondern oft der direkte Unterschied zwischen früher Heimreise und zweiter Turnierhälfte.
Französische Bilanz im internationalen Vergleich
Hinter Collombon ist das Bild gemischt. Bei den Damen sorgt Léa Godallier mit Giorgia Marchetti für positive Signale. Vier Achtelfinalteilnahmen in fünf Premier-Turnieren zeigen, dass sich dieses Team in der Breite stabilisiert hat. Die Paarung wirkt eingespielt, organisiert Punkte sauber und bleibt auch in engen Spielen konkurrenzfähig. Der nächste Schritt wird sein, gegen Topduos häufiger den ersten Satz zu sichern, um Matchpläne nicht dauerhaft aus der Verfolgerrolle heraus spielen zu müssen.
Bei den Herren bleibt die Ausgangslage schwieriger. Dylan Guichard erreichte mit Clément Geens in Brüssel ein Achtelfinale, was im Saisonkontext ein respektabler Marker ist. Dazu kam der viel beachtete Auftritt von Bastien Blanqué und Guichard in Riyadh, als sie gegen die Weltranglistenersten Tapia/Coello einen Satz gewinnen konnten. Solche Momente zeigen Potenzial, stehen aber bislang zu isoliert im Kalender, um von einer stabilen Etablierung auf Premier-Niveau zu sprechen.
Zwischenfazit ohne Schlussakkord
- Collombon bleibt zentrale französische Referenz im Frauenfeld, benötigt aber wiederkehrende Achtelfinal- und Viertelfinalläufe.
- Godallier/Marchetti entwickeln sich zu einer verlässlichen Kombination mit guter Turnierroutine.
- Im Herrenbereich fehlen derzeit mehrere aufeinanderfolgende Resultate gegen etablierte Premier-Teams.
- Der Abstand zur Weltspitze ist nicht unüberbrückbar, verlangt jedoch konstante Qualität über komplette Turnierwochen.
Asunción war damit weniger ein isolierter Ausrutscher als ein präziser Hinweis auf den aktuellen Leistungsstand der französischen Präsenz im Premier Padel. Die nächsten Turniere werden zeigen, ob aus einzelnen starken Auftritten eine belastbare Serie entsteht, die den Sprung in spätere Runden wieder zur Regel macht.